„Als Vollsortimenter sind wir interessanter“

bb im Gespräch mit Jan-Peter Albers und Michael Siegmann, Aldra Fenster und Türen GmbH

Der renommiert Holzfensterhersteller Winter Holzbau aus Thedinghausen musste im Juni letzten Jahres den Insolvenzantrag stellen. Das Unternehmen wurde von Hamburger Investoren übernommen, die im Herbst letzten Jahres ein Joint Venture mit Aldra vereinbart haben. Nur wenige Monate zuvor hatte der norddeutsche Fensterhersteller bereits ein Joint Venture mit der MG Metallbau GmbH aus Gadebusch beschlossen. Seither ist Aldra nicht nur in der Lage, erstmals seinen Handelspartnern auch Holzfenster der Marke „ewitherm“ anbieten zu können, sondern auch das Angebot im Bereich Aluminium deutlich auszubauen. Über die Erweiterung zum Vollsortimenter sprachen wir mit Jan-Peter Albers und Michael Siegmann, Geschäftsführer bzw. Gesamtvertriebsleiter der Aldra Fenster und Türen GmbH.

Was hat Sie bewogen, mit den beiden Joint Ventures Ihr Unternehmen zum Vollsortimenter zu machen?

Albers: Der zunehmende Wettbewerb zwingt nicht nur uns dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir uns differenzieren können. Kostenführerschaft kann nicht unser Ziel sein. Wir setzen stattdessen auf den Ausbau unserer Serviceleistungen, um die Kundenbindung weiter zu verbessern. Mit dem Ausbau von Aldra zum Vollsortimenter verfolgen wir genau dasselbe Ziel, wollen zudem Synergien erschließen. Wir sind für die Kunden interessanter geworden, die alles aus einer Hand beziehen möchten. Die Aldra-Händler können von uns jetzt auch Holzfenster beziehen, die früheren Winter-Handelspartner auch Kunststoff-Fenster von Aldra. Und nicht zuletzt, ist es dank des Vollsortiments jetzt schwieriger, uns nachzuahmen.

Haben Ihre Handelspartner darauf gedrängt, dass Ihnen ein Vollsortiment mit Kunststoff-, Holz- und Aluminiumfenstern angeboten wird?

Albers: Das Interesse war definitiv da. Bei einer Kundenbefragung vor zwei Jahren haben wir deshalb 70 Händler befragt, um ein eindeutiges Bild zu bekommen. Die klare Antwort war, dass wenn Preis, Leistung und Qualität stimmen, unsere Händler durchaus interessiert sind, auch Holzfenster über uns zu beziehen.

Was hat die Investoren bzw. Sie zur Umbenennung des Unternehmens in ewitherm Holzbau GmbH veranlasst?

Albers: Die Marke ewitherm, unter der die Fenster von Winter schon seit vielen Jahren vertrieben werden, ist auf Grund der Qualität und der Sortimentstiefe positiv besetzt.

Werden die Holz- und Holz/Alu-Elemente von ewitherm jetzt ausschließlich über die Handelsstruktur von Aldra vertrieben?

Albers: Nein. Der Vertrieb der Elemente erfolgt wie bisher über die ewitherm-Handelspartner und künftig immer stärker auch über die Händlerschaft von Aldra.

Wie steht des mit der Bereitschaft, den seitherigen Lieferanten zu wechseln und die Holzfenster jetzt bei Aldra zu beziehen?

Siegmann: Unser Vorteil ist der gute und intensive Kontakt zu unseren Handelspartnern, was es uns erleichtert, das Thema Holz voran zu bringen. Aber es braucht natürlich etwas Zeit. Denn die anderen Anbieter haben schließlich auch nicht alles falsch gemacht und es bestehen gewachsene Kundenbeziehungen.

Albers: Wir haben möglichst viele Bestandskunden nach Thedinghausen eingeladen, um ihnen das Unternehmen zu präsentieren. In einem zweiten Durchgang wollen wir auch potenziellen Neukunden diese Möglichkeit bieten. Davon versprechen wir uns zusätzliche Impulse.

Gibt es Veränderungen in der Betreuung der Kunden?

Siegmann: Umstellen müssen sich die ewitherm–Kunden. Die Betreuung wird vom Aldra-Außendienst mit übernommen, womit sich diese gegenüber der bisherigen Handelsvertreterstruktur aber eher verbessert. Die Bestellung erfolgt aber wie gewohnt.

Welche Vertriebsgebiete decken die Aldra- und ewitherm-Händler gemeinsam ab?

Siegmann: Aldra ist von Dänemark bis zum Bodensee vertreten. Dabei liegen die Schwerpunkte im Norden und Nord-Westen. Hier können wir aktuell auch das meiste Wachstum verzeichnen. Sowohl in Niedersachsen als auch in Nordrhein-Westfalen haben wir uns mit einem zusätzlichen Außendienstmitarbeiter personell verstärkt. In Niedersachsen wollen wir der führende Anbieter werden. Die Zahlen zeigen bereits, dass sich etwas bewegen lässt. Offensichtlich überzeugt unser Konzept des Vollsortimenters, mit dem wir auch Neukunden für eine Zusammenarbeit gewinnen konnten. Die Kunden von ewitherm sind überwiegend in Norddeutschland ansässig, aber auch in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich.

Soll das Programm von ewitherm weiter ausgebaut werden?

Albers: Das Sortiment ist an und für sich komplett. Denn wir können unseren Handelspartnern neben den üblichen Konstruktionen auch passivhaustaugliche Elemente, Lösungen für den Denkmalschutz, Integralfenster, Elemente mit Jalousien im Scheibenzwischenraum oder nach außen öffnende Fenster bieten. Aber wir denken bereits im Sinne einer rationellen Fertigung über mögliche Plattformkonzepte nach.

Siegmann: Unser Anspruch ist es, mit einem Programm in großer Breite und Tiefe alle Wünsche der Händler erfüllen zu können. Damit dieser sicher sein kann, dass wenn er sich für eine Zusammenarbeit mit uns entscheidet, allen Anforderungen des Marktes gerecht werden zu können. Dies können wir mit dem derzeitigen Programm leisten.

Können die Aldra-Händler über ihre Fenster-Software auch Aufträge für die Holzfenster von ewitherm abwickeln?

Albers: Mit der Cantor-Software bilden wir derzeit schon unser Kunststoff- und Aluminium-Programm ab. Zusätzlich werden wir das ewitherm-Holzfensterprogramm aufnehmen. Erste Fenster können bereits erfasst werden. Wir rechnen damit, dass wir bis zum Jahresende das komplette Programm implementiert haben.

Die Produktionsanlage in Thedinghausen hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Sind Investitionen zum weiteren Ausbau des Werkes geplant?

Albers: Aktuell sind wir noch mit der Analyse beschäftig. Aber es gibt schon erste Überlegungen zur Umstrukturierung der Produktion, zur Optimierung der Abläufe und der Verkürzung der Wege. Sollten Erweiterungen notwendig werden, dann steht mit 25.000 qm genügend Grundstücksfläche zur Verfügung.

Was hat Sie veranlasst, sich im Sommer letzten Jahres im Rahmen eines Joint Ventures bei der MG Metallbau aus Gadebusch zu engagieren?

Albers: Die Nachfrage nach Aluminium-Fenstern und –Haustüren ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das Joint Venture war für uns eine willkommene Gelegenheit, uns zusätzliche Fertigungskapazitäten sowie die Kompetenz eines flexiblen Anbieters zu erschließen.

Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen den Standorten Meldorf und Gadebusch heute aus?

Albers: In Meldorf haben wir früher auch Aluminium-Haustüren gefertigt. Im Rahmen des Joint Ventures machen wir Meldorf zum reinen Kunststoff-Standort, in Gadebusch wird nur Aluminium verarbeitet und Thedinghausen konzentriert sich auf Holz und Holz-Alu

Was wird in Gadebusch produziert?

Albers: Neben einem breiten Haustürensortiment in 70 mm und 90 mm Bautiefe sind dies auch Türen für den Gewerbebau sowie zertifizierte Brand- und Rauchschutztüren und Falt- und Hebe-Schiebe-Anlagen sowie Integralfenster mit verdeckt liegendem Flügel.

Soll die Belegschaft in Gadebusch weiter ausgebaut werden?

Albers: Unser Ziel ist es, den Umsatz von derzeit 3 Mio. Euro auf 5 Mio. Euro zu steigern. Um dies zu erreichen, werden wir auch das Personal weiter aufstocken.

Elemente wie Brandschutztüren setzen entsprechendes Know-how voraus. Wie unterstützen Sie Ihre Handelspartner?

Albers: Die Elemente werden nur über einen ausgewählten Kreis von Handelspartnern vertrieben, die im Objektgeschäft tätig sind. In Zusammenarbeit mit unserem Systemlieferanten Schüco bieten wir entsprechende Schulungen an, um die Partner fit für diese Materie zu machen.

Eine letzte Frage noch zu Ihren Umsatzerwartungen für das laufende Jahr.

Albers: Wir sind recht gut ins Jahr gestartet. Derzeit liegen wir umsatzmäßig 17 Prozent über dem Vorjahr. Auch für den Rest des Jahres haben wir ein gutes Gefühl. Das heißt wir rechnen nicht mit einem Abbruch, sondern allenfalls mit einer gewissen Relativierung. Ein zweitstelliges Umsatzwachstum wird’s auf jeden Fall werden, so dass wir auf einen konsolidierten Umsatz von 45 Mio. Euro kommen dürften. Dazu wird die MG Metallbau wie schon erwähnt 3 Mio. Euro und ewitherm circa 8 Mio. Euro beitragen.

Herr Albers, Herr Siegmann, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch!

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